H0-Anlage Igling I

Die nachfolgend vorgestellte Anlage wurde in einem ausführlichen Beitrag im Heft 8/2008 des Eisenbahn-Kurier in Wort und Bild vorgestellt.

Igling, die Erste …
Der Modellbahnvirus wurde bei mir wie bei so vielen anderen auch in der Kindheit gelegt, als 1954 meine Brüder und ich gemeinsam mit unserer Mutter eine Märklinanlage bauten. Diese Erlebnisse zählen noch heute zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Nachdem dann Berufsausbildung, Familienplanung und Hausbau abgeschlossen waren, hatte ich endlich wieder Zeit, mich näher mit der Modellbahn zu beschäftigen. Da mein großer Bruder unsere Märklinbahn geerbt hatte, konnte ich mich völlig neu orientieren und entschied mich für die Spurweite H0 und das 2-Leiter-Gleichstromsystem.
Obwohl mir, angeregt durch die Anlagen von Bernhard Stein, gleich eine größere Heimanlage vorschwebte, entschied ich mich erst einmal für den Bau einer kleineren und kompakten Testanlage, die von Beginn an als Testobjekt gedacht war. Mir ging es dabei in erster Linie um die Umsetzung verschiedener Bau- und Fertigungstechniken sowie das Sammeln und Auswerten von Erfahrungen im Dauer- bzw. Vorführbetrieb. Aus diesem Grund ist die Anlage in ihren Abmessungen auch sehr kompakt gehalten (2,60 x 1,25 m), ohne aber im Gleisplan durch größere Einschränkungen Einbußen hinnehmen zu müssen. Vor allem sollte der häufig immer noch übliche (negative) Charakter der klassischen Spielanlage vermieden werden. Dies konnte nur umgesetzt werden, in dem man entgegen dem Zeitgeist kein einfaches Oval baut. So wurde von mir der Bahnhof mit dem Bahnbetriebswerk in die Diagonale gelegt, was die Nutzlänge der Bahnsteiggleise auf maximal 1,15 m erhöhte und sogar den Einsatz von vorbildgerechten Zuggarnituren ermöglicht.



Das Pflichtenheft sieht eine angedeutete 2-gleisige Hauptstrecke mit Abzweig zu einem Kopfbahnhof mit kleinem Einsatz-Bahnbetriebswerk und Drehscheibe vor. Weiterhin dient der Kopfbahnhof zusätzlich als Ausgangspunkt einer Zahnradbahn, welche ins nahe Gebirge führt. Für einen abwechslungsreichen Fahrbetrieb sind außerdem ein kleiner Schattenbahnhof sowie eine Kehrschleife vorhanden. Die Anlage wird komplett im DCC-Format betrieben und ist mit dem Digitalsystem Lenz ausgestattet. Für die Steuerung wird die Steuerungssoftware TrainController™ (Freiwald Software) eingesetzt.
Die Anlage war nach ihrer Fertigstellung ursprünglich für Präsentationen bei diversen Modellbahnausstellungen der IG ModellbahnFreunde Landsberg am Lech gedacht, wurde aber später auch für das Schaufenster eines Modellbahnfachgeschäftes vorgesehen. Daher hatte neben einer ausgewogenen Landschaftsgestaltung vor allem die Sicherstellung eines störungsfreien Fahrbetriebes oberste Priorität. Gleichzeitig sollten aber auch Hardware-Komponenten wie zum Beispiel Schaltdecoder für spezielle Weichenantriebe (Servo-Antriebe von MBTronik), Rückmeldedecoder (RS-8 von Littfinski) oder Kehrschleifenmodule (SLX-805 von Rautenhaus), welche für die große Heimanlage vorgesehen sind, im Dauertest ihre Betriebssicherheit unter Beweis stellen.



Fazit
Zum 4. Kaltenberger Modelleisenbahntreffen im November 2007 wurde die Anlage erstmals im Dauertest von zwei Ausstellungstagen auf Herz und Nieren geprüft und es konnten wichtige Erfahrungen über die eingesetzte Hardware gemacht werden.
So stellte sich zum Beispiel beim Fahrbetrieb heraus, dass die Decoder für die Servo-Weichenantriebe bei Schwankungen im Stromnetz (und damit bedingt der Versorgungstrafos) sehr empfindlich reagieren und ein gewisses Eigenleben entwickeln (selbstständiges Umschalten der Weichen). Dies ist zu Hause noch nie aufgetreten und hatte seine Ursache offensichtlich im stark belasteten Stromkreislauf in den Räumlichkeiten des Veranstalters. Auch zeigten die alten Roco-Weichen ein nur ungenügendes Verhalten bei der Weiterleitung des Fahrstromes an die Loks. So war leider immer wieder ein Stehenbleiben von bestimmten Loks auf den Weichen bei schlechter Fahrstromversorgung zu verzeichnen.
Grundsätzlich kann aber ein positives Fazit über den Testträger gezogen werden und nach meinem nun eingetretenen Ruhestand kann es in Kürze endlich an die lang ersehnte Verwirklichung meines „großen Modellbahntraumes“ gehen, "Igling, die Zweite ...".

Reinhard Heckmann